Februar 1934 in Salzburg

Am 12. Februar 1934 traten sozialdemokratische österreichische Arbeiter als erste in Europa dem Faschismus entgegen. Dem voraus gegangen waren die permanenten Rechtsbrüche der Regierung Dollfuß im Jahr 1933, die Ausschaltung des Parlaments und die systematische Zerstörung der Demokratie. Nach dem Ende der Februarkämpfe hatten die Austrofaschisten die Arbeiterbewegung lahm gelegt. Damit verlor Österreich die einzige Kraft, die vier Jahre später Hitler wirklichen Widerstand hätte leisten können.

Am 12. Februar Vormittag fielen die ersten Schüsse in Linz. So oft war in den letzten Monaten in den Kreisen der Parteigenossen erregt erörtert worden, ob und wann die Arbeiter mit der Waffe in der Hand um die Freiheit kämpfen müssten. Am 11. Februar hatte der Heimwehrführer und Sicherheitsminister Major Frey verkündet: „Morgen werden wir an die Arbeit gehen.“ Der Kampf von Österreichern gegen Österreicher hatte begonnen.

In Salzburg wurden am 12. Februar alle sozialdemokratischen Funktionäre, die irgendwelche wichtigere Stellen einnahmen, und insbesondere die Funktionäre des Republikanischen Schutzbundes innerhalb weniger Stunden verhaftet. Obgleich die Waffen des Republikanischen Schutzbundes, um sie vor der Beschlagnahme zu sichern, in kleinere Lager verteilt worden waren, konnten sie durch die rasche Verhaftung aller jener Schlüsselfunktionäre des Schutzbundes, die den Widerstand hätten organisieren sollen, nicht wirksam werden. Es kam in Salzburg zu keinen bewaffneten Zusammenstößen. Diese Tatsache erzeugte allerdings innerhalb der Partei, insbesondere unter den Wehrsportlern, dem Republikanischen Schutzbund und der Arbeiterjugend starke Spannungen.

In Saalfelden und Bischofshofen war es noch möglich gewesen, Sprengstoff an einzelne Schutzbündler auszugeben. Es gelang jedoch weder in Saalfelden noch in Zell am See, den Schutzbund zu sammeln, weil die Exekutive und schwerbewaffnete Heimwehr alle wichtigen Punkte der Orte besetzte, die Lokale der Sozialdemokratischen Partei aufbrach und demolierte. Ähnlich war es in Schwarzach, wo die berüchtigte „Penz-Platte“ aus Innsbruck hauste.

Der Streik der Eisenbahner wurde in Salzburg am ersten Kampftag durchgeführt, doch immer mehr auch durch die aus anderen Bundesländern ankommenden Züge durchlöchert. Alle Dienststellen der Bundesbahn in Salzburg waren von Heimwehrleuten und den so genannten Freiheitsbündlern besetzt. Zu einem ersten Zwischenfall kam es, als am Abend des 12. Februar im Heizhaus eine Lokomotive in die Drehscheibengrube fuhr und damit das Heizhaus bis zum nächsten Abend blockiert war. Es war klar, dass es sich um einen sehr wirksamen Sabotageakt handelte, durch den zahlreiche Züge aus Salzburg nicht mehr abgefertigt werden konnten, weil keine Lokomotiven vorhanden waren. Die Polizei stellte umfangreiche Untersuchungen an, die aber erfolglos blieben. Allerdings war ein sozialdemokratischer Eisenbahner dreiviertel Jahre in Untersuchungshaft, doch musste auch er schließlich freigelassen werden, weil ihm die Schuld an dem Sabotageakt nicht nachgewiesen werden konnte.

Das Polizeigefängnis in Salzburg war überfüllt mit sozialdemokratischen Häftlingen, die sich rasch untereinander verständigten, und es glich eher einem Hauptquartier der Sozialdemokratischen Partei als einem Gefangenenhaus. Trotz verschiedener Schikanen gegenüber den Häftlingen war, im Ganzen gesehen, deren Behandlung in Salzburg besser als in den anderen Bundesländern. Es mag zum Teil darauf zurückzuführen sein, dass Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl ein Gegner des Dollfuß-Regimes war und sich bemühte, die Maßnahmen, die ihm von Wien aufgezwungen wurden, in menschlicher Form durchzuführen. Dennoch blieben die meisten sozialdemokratischen Funktionäre, insbesondere jene in führender Stellung, mindestens bis in den Mai 1934 und auch noch länger in Haft. Ungünstiger war die Behandlung jener Genossen, die auf dem Lande verhaftet wurden, vor allem deswegen, weil dort die Heimwehr zur Unterstützung der Exekutive herangezogen wurde und einige der Bezirkshauptleute glaubten, sich besonders hervortun zu müssen.

Die Textstellen wurden dem im Jahr 1982 erschienenen Buch „Der steinige Weg“ von Josef Kaut entnommen.

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