Gedenkstein für die Goldegger Deserteure

Am 8. August wurde der Gedenkstein für die Wehrmachtsdeserteure in Goldegg enthüllt. Der Stein, welcher vom Kapruner Bildhauer Anton Thuswaldner entworfen wurde, ist allen Opfern der NS-Verfolgung um den 2. Juli 1944 gewidmet.

Der Gedenksteinlegung am Gelände des Regenerationszentrums wohnten mehr als 150 Gäste bei – darunter Landesparteivorsitzender Walter Steidl, LAbg. Bürgermeister Andreas Haitzer, LAbg. Ingrid Riezler und Abg.z.NR a. D. Johann Maier. In seiner Festrede betonte Univ.-Prof. Walter Manoschek die erbrachte Pionierleistung der InitiatorInnen in Goldegg.

Die historischen Ereignisse im Überblick
Textquelle: Michael Mooslechner und Robert Stadler

Am 2. Juli 1944 geriet die Gemeinde Goldegg zu einer der markantesten Stätten des NS-Terrors im Bundesland Salzburg. Eine Gruppe von Bauernsöhnen hatte den Kriegsdienst verweigert und kehrte daraufhin nicht mehr an die Front zurück. Nachdem jahrelang vergeblich versucht worden war, die „Fahnenflüchtigen“ zu ergreifen, geriet eine Aktion der SS im Großraum Goldegg am 2. Juli zu einer grausamen Menschenjagd. Mehrere Männer wurden erschossen, über 50 weitere Personen verhaftet und teilweise später in Konzentrationslagern hingerichtet.

Der leitende Gestapo-Beamte für den Gau Salzburg, Dr. Hubert Hueber, schilderte in einer Vernehmung vor Gericht im Jahre 1947 den Ablauf der Vorbereitungen folgendermaßen: „Ende Juni 1944 bekam ich vom SS-Obergruppenführer Dr. Kaltenbrunner den mündlichen Auftrag mit einer Einsatztruppe von SS-Leuten […] gegen Fahnenflüchtige im Gebiete von Goldegg in den Einsatz zu gehen. Nach Zusammenziehung von Kripo und Gestapo-Leuten in der Stärke von ca. 70 Mann übernahm ich befehlsgemäß die Leitung bei dieser Aktion.“

Hintergrund der aktuellen Geschehnisse

In Österreich wurde die positive Rolle von Deserteuren für die Befreiung Österreichs stets bewusst verschwiegen. Sie wurden von später heimkehrenden und regimetreuen Soldaten sowie ehemaligen Kriegsgefangenen verachtet. Widerstandsaktivitäten wurden totgeschwiegen, da diese die MitläuferInnen infrage stellten. So werden Deserteure bis heute mitunter als „Verräter“ diffamiert.

So kritisierte der bekannte Salzburger Historiker Michael Mooslechner schon früh, dass beispielsweise in der offiziellen Goldegger Gemeindechronik die Deserteure der Region als „Landplage“ bezeichnet werden, was an den NS-Jargon erinnert.

Weiterführende Links

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